zum Inhalt springen

Anna Elisabeth Charlotte Simoni

30.08.1916 | Leipzig – 08.01.2007 | Dorset, UK
Bibliotheks- & Sprachwissenschaftlerin

Anna Simoni wird als jüngstes Kind und einzige Tochter jüdischer Eltern – beide gebürtig in Leipzig – mitten im Ersten Weltkrieg in Gohlis geboren. 1917 zieht die Familie Simoni nach Rybnik im damaligen Oberschlesien. 1923 kehren sie nach Leipzig zurück. Der Vater arbeitet in der Rauchwarenfirma von Max Ariowitsch. Ab Ostern 1926 besucht Anna die Rudolf-Hildebrand-Oberschule in Connewitz. Am liebsten liest sie in verschiedenen Sprachen, reist, wandert gern, ist sehr naturverbunden und hat viele Freundinnen. Sie schreibt schon als Kind phantasievolle Briefe und interessiert sich sehr für die Arbeit ihres Onkels Berthold Finkelstein – der bis ins hohe Alter Werke von Chemie-Nobelpreisträger/-innen, u.a. Marie Curie, ins Deutsche übersetzte.

Als 1933 die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht übernehmen, kann Anna im März des Jahres 1935 gerade noch ihr Abitur ablegen – studieren kann sie nicht mehr. Sie flieht aus Deutschland nach Italien – und studiert neben Literatur die deutsche und englische Sprache – später noch Geschichte & Romanistik – belegt Kurse in Kunstgeschichte, Geschichte der Musik, Archäologie und Philosophie. Im Herbst 1938 verschlechtert sich die Situation für jüdische Menschen im faschistischen Italien extrem – und Anna flieht nach England. An der Universität Glasgow beendet sie 1941 ihr Studium als „Master of Arts“ mit Auszeichnung. Nach einem postgradualen Griechisch-Studium meldet sich die 26-J,ährige im Sommer 1943 zum Dienst in der Royal Air Force. Sie arbeitet als Flugmechanikerin, erreicht den Rang eines Sergeant als „Leading Aircraft Woman“. Bei ihrer Demobilisierung 1946 wird ihr bescheinigt: „Sgt. Simoni ist außergewöhnlich gut qualifiziert und fungiert als Fachlehrerin für klassische und moderne Sprachen.“

1948 erhält sie die britische Staatsbürger/-innenschaft. In der Bibliothek des British Museum – einer der bedeutendsten Bibliotheken der Welt – findet Anna ihre Lebensaufgabe. Obwohl sie viele Sprachen studiert hat, nicht aber Niederländisch, darf sie die Sammlung niederländischsprachiger Bücher in einer eigenen Sektion aufbauen. Sie wird Mentorin für Generationen junger Buchhistoriker/-innen, die sie mit Begeisterung durch die Sammlungen führt und die ihr oft lebenslang verbunden bleiben. Bis ins Jahr 2007 hat sie auch noch im Ruhestand regelmäßig weiter in der British Library gearbeitet.