
Else Fürst
25.06.1873 | Leipzig – 19.04.1943 | Theresienstadt Bildhauerin & MedailleurinHelene Julia Fürst
1877 | Leipzig – 1944 | Auschwitz
Violinistin (keine weiteren öffentlichen Daten verfügbar)
Die Eltern von Else und Helene Fürst waren der Kinder- und Frauenarzt Dr. Jacob Paul Livius Fürst und ihre Mutter Henriette Anna, geborene Scheikevich. Die Familie gehörte zum jüdischen Bürgertum. Ihr jüdischer Großvater Julius Fürst hatte als einer der ersten jüdischen Gelehrten mit professoralem Status an der Universität Leipzig gewirkt. Er unterhielt Kontakte zu Karl August Varnhagen von Ense und dessen Frau Rahel Varnhagen, Alexander und Wilhelm von Humboldt, Henriette Herz und anderen.
Gemeinsam mit ihrer Schwester Helene wuchs Else Fürst in Leipzig auf und erhielt hier ihre erste künstlerische Ausbildung, bevor sie etwa zwanzigjährig nach Berlin ging. Dort studierte sie im Atelier des Bildhauers Adolph Jahn und ab Mitte der 1890er Jahre an der Académie Julian in Paris bei Denis Puech. Als Bildhauerin & Medailleurin konnte sie sich über Jahre hinweg etablieren und unterhielt zeitweise ein eigenes Atelier am Kurfürstendamm. Als eine der wenigen weiblichen Künstler/-innen schuf sie Beiträge für die im Ersten Weltkrieg aufgelegte Schaumünzen-Reihe. Ihre Kleinplastiken wurden von Berliner Gießereien vertrieben; zudem war sie auf nationalen Ausstellungen sowie 1913 und 1914 in Pariser Salons vertreten.
Trotz ihres Lebensmittelpunkts in Berlin blieb Else Fürst Leipzig eng verbunden. Im August 1916 wandte sich Else Fürst mit folgenden Worten an ihren Auftraggeber, den Direktor des Berliner Münzkabinetts:
„Im Laufe des Septembers muss ich auch nochmals nach Leipzig reisen u. es wäre mir recht, wenn ich bis ca. Mitte des M. einen Guß von der Henriette Goldschmidtmedaille mitnehmen könnte. Die alte Dame ist 91 Jahre alt u. ich möchte gern, dass sie es noch erlebt, sich auf der Medaille zu sehen.“
Else Fürst blieb wie ihre Schwester Helene unverheiratet; beide behielten zeitlebens ihre jüdische Konfession. 1939 wurden sie zum Umzug in eine sogenannte „Judenwohnung“ gezwungen sowie zur Zwangsarbeit. Am 17. März 1943 wurde Else Fürst nach Theresienstadt deportiert, wo sie im April 1943 ermordet wurde. Ihre Schwester, die Solo-Geigerin Helene Julia Fürst – wurde im Mai 1944 in Auschwitz ermordet.