
Gerda Taro (geb. Gerta Pohorylle)
01.08.1910 | Stuttgart – 26.07.1937 | El Escorial
Fotografin, Reporterin des spanischen Bürgerkrieges
Gerta Taro, älteste Tochter des jüdischen Kaufmanns Heinrich Pohorylle und Gisela Pohorylle, geborene Boral; 1929 zog ihre Familie nach Leipzig in die Springerstr. 32. Ihr Vater betrieb einen Eiergroßhandel.
Gerta besuchte erst ein Schweizer Mädchen-Internat – ab 1929 in Leipzig die Gaudigschule nahe des Nordplatzes. Ihr neuer Freundeskreis war fast rein jüdisch und politisch links orientiert. In Gohlis verliebte sie sich in Georg Kuritzkes, Sohn eines Rauchwarenhändlers, den sie im jüdischen Sportverein Bar Kochba kennengelernt hatte. Georgs Mutter Dina war in zweiter Ehe mit dem kommunistischen Arzt Karl Gelbke verheiratet.
Durch Georg, sein Elternhaus – sein Vater, der kommunistische Arzt Karl Gelbke – und seine Freund/-innen positionierte sich Gerda gemeinsam politisch aktiv. Zusammen mit ihnen und mit ihren Brüdern Oskar und Karl Pohorylle engagierte sich Gerta im Widerstand gegen den erstarkenden Nationalsozialismus. Bei Hitlers Machtantritt 1933 beteiligte sie sich an Flugblattaktionen – wurde von der SA verhaftet und für drei Wochen im Leipziger Frauengefängnis inhaftiert. Da man ihr nichts nachweisen konnte, wurde sie freigelassen. Gerta floh über den Landweg – unterstützt durch ein kommunistisches Hilfsnetzwerk – nach Paris.
In Paris traf sie Ruth Cerf wieder, ihre Freundin von der Gaudigschule. Ruth gehörte in Paris zu einem Kreis linker Widerstandskämpfer/-innen. Durch Ruth – die auch Fotomodell war – lernte Gerta 1934 den jungen ungarischen Fotografen André Friedmann kennen, der beide fotografierte. Sie ließ sich von ihm an der Kamera ausbilden – kurze Zeit später wurden sie ein Liebespaar.
Gerta erfand die Künstlernamen Robert Capa und Gerda Taro. Unter dem Namen des fiktiven amerikanischen Fotografen Robert Capa arbeiteten sie zeitweise gemeinsam – auch in dem Versuch, antisemitischen Zuschreibungen und wachsender Fremdenfeindlichkeit im Frankreich der 1930er-Jahre zu entgehen. Im Sommer 1936 brach der Spanische Bürgerkrieg aus. Gerda Taro und Robert Capa gingen nach Spanien, wo sich internationale Brigaden zur Unterstützung der Republik sammelten – um den Kampf gegen das Franco-Regime durch fotografische Dokumentationen zu unterstützen. Ihre engagierten (Anti-) Kriegsfotos gingen damals um die ganze Welt. Gerda Taros Foto‘s hatten oft einen verstärkten Blick auf das Leid der Zivilbevölkerung, der Frauen und Kinder.
Sie war die erste Kriegsfotografin, die an der Front arbeitete. Als am 25. Juli 1937 die deutsche Legion Condor einen Angriff an der Brunete-Front flog, verunglückte Gerda Taro tödlich.