
Sofie Schneider
07.08.1891 | Sidra, Polen – 1942/43 | Riga
Malerin & Grafikerin
Sofie Schneider wurde geboren als das sechste Kind von Hillel Schneider und Chana Schneider, geborene Adelski. Sofie wuchs auf mit neun Schwestern und einem Bruder. 1898 emigrierte die Familie nach Leipzig, wo der Vater die Arbeit als Kantor in der Leipziger Brodyer Synagoge übernahm – heute die Synagoge der Israelitischen Religionsgemeinde in der Keilstrasse. Die Mutter arbeitete als Perückenmacherin. Nach dem frühen Tod der Mutter (1864 -1911) heiratete der Vater erneut.
1909 begann Sofie Schneider ihre künstlerische Ausbildung an der Akademie für Graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig. Im März 1914 – vor Beginn des Ersten Weltkrieges – reiste Sofie nach Jerusalem, war bis August 1916 als Studentin an der Akademie Betzalel immatrikuliert. Diese Akademie wurde 1906 als staatliche Kunst- und Designerschule in Jerusalem eröffnet. Gelehrt wurden sämtliche Kunsthandwerke von Holzschnitzerei bis zu Malerei. Aufgrund fehlender Hebräisch-Kenntnisse war es Sofie nicht möglich, alle Studienfächer zu belegen, da einige ausschließlich in hebräischer Sprache unterrichtet wurden
Nach dem Ersten Weltkrieg konnte Sofie ihre Ausbildung in Leipzig regulär fortsetzen. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie als freischaffende Malerin und Grafikerin – ein für Frauen dieser Zeit noch ungewöhnlicher Berufsweg. Von ihrem Werk sind nur wenige Arbeiten überliefert; viele gelten als verschollen.
Im Juli 1937 zog Sofie in die Eisenbahnstr. 37. Bereits seit 1933 wurde die jüdische Bevölkerung systematisch von den Nazis diskriminiert, enteignet, aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen; berufliche Möglichkeiten brachen weg … Sofie Schneider wurde zur Zwangsarbeit verpflichtet. Im April 1939 wurde ein Gesetz zur Aufhebung des Mietschutzes für Jüdinnen und Juden erlassen, was zahlreiche Wohnungskündigungen zur Folge hatte. Die Nazis errichteten sogenannte „Judenhäuser“, welche jüdische Menschen beziehen mussten, auch Sofie. 1942 wurde Sofie deportiert und in das Ghetto Riga verschleppt. Über die genauen Umstände ihres Todes ist nichts bekannt.
2013 verlegte der Frauenkultur e.V. Leipzig einen Stolperstein für Sofie Schneider. Daraufhin kontaktierte ihre weltweit verzweigt lebende Familie die Frauenkultur Leipzig – verbunden mit einem daraufhin folgenden intensiven Austausch… der diese Webseite – “https://www.verzweigungen.com/” – initiierte.