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Lucie Steindorff

01.04.1879 | Dessau – 12.05.1942 | NS-Euthanasie-Anstalt Bernburg
Klavierlehrerin

Lucie Steindorff war das Jüngste von fünf Kindern des Kaufmanns Louis Steindorff (1831-1919) und Helene, geb. Ehrmann (1840 -1918). Die Familie Steindorff wohnte in der Richterstr. / Ecke Balzacstraße (ehemals Richterstr. 2). Lucie´s Bruder Georg (1861-1951 Kalifornien; Prof. für Ägyptologie) verdankt die Universität Leipzig den Aufbau des Ägyptischen Museums; Paul (1863 -1927 Kalifornien) Musiker & Dirigent; Else (1869 -1945 Johannisburg) und Kurt (1875 -1942 Frankreich), Augenarzt.

Über das Leben von Lucie Steindorff ist wenig bekannt. Sie absolvierte eine musikalische Ausbildung; 1908 schloss sie ihr Studium am Königlichen Konservatorium in Leipzig ab und arbeitete seitdem als Klavierlehrerin. Am Morgen des 13. Januar 1941 fanden in Leipzig Hausdurchsuchungen bei jüdischen Familien statt. Lucie Steindorff wohnte zu diesem Zeitpunkt zur Untermiete in der Grassistr. 20. Bei Lucie fand man 500 Mark, die sie für ihre Ausreise zurückgelegt hatte. Sie wurde wegen „Devisenvergehens“ verhaftet und man brachte sie in das Polizeigefängnis in die Wächterstraße. Lucie´s Freundin Martha Jolowicz schrieb aus dem Exil in New York an Lucie´s Bruder Georg und seine Ehefrau in Kalifornien… u.a.:

New York, 5. Mai 1941…
„Meine lieben Freunde … Cläre Homberger schrieb mir am 13.03… Lucie sei noch in der Wächterstraße, gestern erzählte aber Trixie Breslauer van Tijn, Lucie sei nicht mehr dort. … Es ist doch an Euch gekabelt worden, wahrscheinlich wegen Affidavit … Habt Ihr eins beschafft und an das Berliner Consulat geschickt? Die Copie muß Cläre Homberger bekommen, gleichzeitig muß ein Telegramm an den „Jüdischen Hilfsverein“ Walter-Blümel-Straße 10, Leipzig abgehen – in dem Ihr mitteilt, dass das Affidavit abgeschickt worden ist und dass die Passage nach Amerika bezahlt wird. …“

Alle Bemühungen Lucie in die USA nachzuholen, schlugen fehl. Am 28.03.1941 wurde sie in das Frauen-KZ Ravensbrück deportiert, von dort mit vielen anderen jüdischen Frauen am 10.05.1942 mit einem Invalidentransport2) in die Tötungsanstalt/NS-Euthanasieanstalt Bernburg gebracht, und am gleichen Tag ermordet. Die beiden Leipziger Frauen, die im Brief erwähnt wurden, kamen ebenfalls im Holocaust um.