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Edith Mendelssohn Bartholdy (geb. Speyer)

06.01.1882 | Berlin – 09.07.1969 | Köln
Gründerin & Netzwerkerin, Politikerin, Kunsthändlerin

Edith Louise Ida Speyer; Tochter des Berliner Kaufmanns Paul Speyer und seiner Frau Rosa, geborene Stern. Mit 19 Jahren legt sie das Lehrerinnen-Examen für Höhere Töchterschulen ab, unterrichtete bis 1905, heiratete den vier Jahre älteren Bankier Ludwig Mendelssohn Bartholdy – einen Enkel des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy. Die Ehe blieb kinderlos. Eine Weltreise führte Edith Mendelssohn Bartholdy und ihren Mann 1908 nach China, Japan und Nordamerika. 1910 wurde ihr Mann in Leipzig Bankdirektor. Beide nahmen intensiv am Leipziger Stadtleben teil – waren in mehreren Leipziger Kunstinitiativen aktiv.

Edith‘s „dringlichstes Anliegen“ war es – Frauen während ihrer Erwerbstätigkeit die Unterbringung ihrer Kinder zu ermöglichen. 1912 war sie Mitgründerin des Leipziger Krippenvereins zur Gründung erster Leipziger Krippen- und Säuglings-Pflegeanstalten; mutterlose Waisen bzw. Kinder alleinerziehender Mütter wurden bevorzugt aufgenommen. Während des Ersten Weltkrieges sorgte Edith Mendelssohn Bartholdy als Sachverständige für Mutter- und Säuglingsfürsorge in der Kriegsamtsstelle Leipzig & Frauenarbeitszentrale Berlin – deutschlandweit für den Ausbau des Krippensystems, gründet den Ausschuss für Säuglings- und Kleinkinderschutz. 1916 wurde sie Vorsitzende des Vereins für Mutterschutz. 1918 stirbt ihr Mann.

Bereits 1919 stellte sie sich als eine der ersten Frauen zur Wahl ins Leipziger Stadtparlament, arbeitete als Abgeordnete der Deutschen Demokratischen Partei bis 1927 im Verfassungsausschuß auf dem Gebiet der Sozialfürsorge, speziell der Jugendfürsorge und zu kulturellen Problemen. 1930 gründete sich die _Leipziger GEDOK-Ortsgrupp_e mit 350 Mitgliedern – Edith Mendelssohn Bartholdy wurde Vorsitzende; später Ehrenvorsitzende. Nach der NS-Machtübernahme wurden jüdischen Menschen alle Lebensgrundlagen entzogen. Die GEDOK beugte sich dem Arier-Paragraphen, um weiter existieren zu können. Edith emigrierte 1938 nach England, arbeitete als Lehrerin für alleinstehende Flüchtlingskinder. 1951 kehrte sie nach Deutschland zurück.

Ihr Grundsatz: „Ich kann ohne Arbeit nicht leben.“ galt für sie nach wie vor. Sie betreute die von ihr initiierte Sendereihe des Westdeutschen Rundfunks zum Thema: „Der Lebensabend“ und gab unter diesem Titel eine Sammlung auch heute noch aktueller Vorträge und eigener Texte heraus.

Zuletzt lebte sie in Köln in den Riehler Heimstätten, wo sie 1969 starb. Ihr Grab befindet sich auf dem Kölner Friedhof Melaten.