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Claire Goll (geb. Klara Liliane Aischmann, gesch. Studer)

29.10.1890 | Nürnberg – 30.05.1977 | Paris
Schriftstellerin & Journalistin

Claire Goll wurde in eine wohlhabende jüdische Familie geboren. Der Selbstmord ihres fünf Jahre älteren Bruders Alfred prägte sie tief. Nach dem Umzug der Familie nach München besuchte sie dort die Mädchenschule. Auch um das Elternhaus, vor allem die konsequente Mutter, verlassen zu können, heiratete sie 1911 Heinrich Studer. Das Paar zog nach Leipzig, wo im Mai 1912 die Tochter Doralies geboren wurde.

Claire Studer begann ein Philosophiestudium an der Universität Leipzig und schrieb erste Gedichte, deren Manuskript kürzlich im Inselverlag aufgefunden wurde. Das Ehepaar Studer verkehrte in Literatur-Kreisen, vor allem der Expressionist/-innen um Kurt Wolff. Zwei Mitarbeiter Wolffs berichteten später: Kurt Wolff spielte Cello und Claire Studer begleitete ihn am Klavier. Heinrich Studer zeigte sich nach kurzer Zeit als sehr gewalttätig übergriffig seiner Frau gegenüber. Als Pazifistin verließ sie 1916 während des Krieges Deutschland, Leipzig und den Ehemann – emigrierte in die Schweiz. Bei der Scheidung 1917 wurde ihre Tochter auf Grund der Beziehung zu Kurt Wolff, die dieser vor Gericht einräumte, dem Vater zugesprochen. Dessen Gewalttaten, die Claire nicht beweisen konnte, änderten daran nichts.

1917 studierte sie an der medizinischen Fakultät in Genf. 1918 zog sie nach Ascona und gab ihr Debüt als Schriftstellerin mit dem Gedichtband „Mitwelt“ und dem Novellenband „Die Frauen erwachen“. In der Schweiz engagierte sie sich in pazifistischen Kreisen um Romain Rolland und in der Frauenbewegung. 1918 lernte sie Rainer Maria Rilke kennen, mit dem sie eine literarisch fruchtbare Liaison hatte. Beide blieben bis zu seinem Tod eng befreundet.

Mit dem jüdischen Dichter Yvan Goll, in den sich Claire tief verliebte und der wie sie als Pazifist in der Schweiz lebte – zogen beide 1919 nach Paris. Dort erschienen u.a. ihre Liebesgedichte. Sie heirateten 1921. Vor den Nazis floh das Paar 1939 nach New York – und kehrte 1947 nach Paris zurück.

Yvan Goll starb 1950. Claire Goll blieb lebenslang eine streitbare Frau und starb hochbetagt 1977 in Paris. Die Gräber von Yvan und Claire Goll befinden sich auf dem Friedhof Père Lachaise in Paris. Auf dem Grabstein findet sich eine Zeichnung von Marc Chagall.