
Johanna Hilde Hemer (geb. Steindorff)
29. 12.1892 | Berlin – Februar 1983 | New York
Pianistin
Hilde Steindorff, zweites Kind des Ägyptologen Georg Steindorff und seiner Frau Elise geb. Oppenheimer. Georg Steindorff kam aus Dessau zum Studium nach Berlin und konvertierte in dieser Zeit zum evangelischen Glauben. Elise Oppenheimer war die Tochter des Rabbiners der Berliner Reformgemeinde Louis Oppenheimer. Hilde Steindorff war ein Jahr alt, als ihr Vater die Berufung an die Leipziger Universität erhielt. In seiner langen Dienstzeit baute er das Ägyptische Museum auf, das heute seinen Namen trägt.
Die Familie wohnte zunächst in der Haydnstr. 8. 1904 wurde Georg Steindorff ordentlicher Professor – und die Familie zog in die Waldstraße 52/54; 1911 in die Fritzschestr. 10, heute Schorlemmerstraße. Ihre musikalische Ausbildung erhielt Hilde Steindorff anfangs bei ihrer Tante und Pianistin Lucie Steindorff. Nach Beginn des Ersten Weltkriegs ging Hilde zum Studium nach Berlin, wo sie von 1915 bis 1917 von ihrem Patenonkel, dem Pianisten & Komponisten Artur Schnabel, unterrichtet wurde. Ab 1917 studierte sie am Leipziger Konservatorium bei Prof. Teichmüller. Der Klavierfabrikant Edwin Bechstein soll ihr einen Konzertflügel geschenkt haben. 1917 heiratete sie den nichtjüdischen Cellisten Franz Hemer, der zu dieser Zeit als Jagdflieger eingesetzt war. Hilde Hemer und ihre Mutter hingegen handelten caritativ sehr aktiv.
Franz Hemer wurde nach dem Krieg Direktor der jüdischen Rauchwarenfirma „König und Bruder“ in der Nikolaistraße. Hilde Hemer spielte sehr erfolgreich in Kammerkonzerten. Das Paar bekam drei Söhne. Ab 1933 wuchs die Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung extrem an. Am 15.09.1935 wurden die sogenannten Nürnberger Gesetze erlassen – diese stellte u.a. die Eheschließung zwischen jüdischen Menschen und „Staatsangehörigen deutschen Blutes“ unter Strafe und sahen bei Zuwiderhandlungen u.a. Gefängnisstrafen oder Zuchthaus vor. 1938 ließ Franz Hemer sich scheiden.
Hilde Hemer emigrierte mit den beiden jüngeren Söhnen nach Mexiko; 1940 nach Kalifornien – wo ihr Bruder und ihre Eltern lebten. Ihr ältester Sohn ging 1938 nach England. Für die Pianistin Hilde Hemer kam in den USA nach anfänglicher Arbeit als Haushälterin noch einmal eine Zeit großer Auftritte in Konzerten. Sie spielte Werke von Schumann, Brahms, Beethoven, Schubert und Chopin. Bis ins hohe Alter unterrichtete sie am Klavier. Hilde Hemer starb im Februar 1984 im Alter von 91 Jahren in Kalifornien.