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Paula Agnes Auguste Steiner-Prag (geb. Bergmann)

26.07.1880 | Seedorf, Segeberg – 17.05.1964 | Stockholm
Grafikerin

Die 23-jährige Paula Bergmann studierte 1903 an der Debschitz-Schule in München, einer reformorientierten Kunstschule. Einer ihrer Lehrer war der gleichaltrige in Prag geborene jüdische Maler und Grafiker Hugo Steiner – Künstlername Steiner-Prag. Die beiden verliebten sich, heirateten 1905 – nachdem beide im gleichen Jahr zum Christentum konvertiert waren. Im April 1906 wurde ihr Sohn Detlev Hugo geboren. 1907 zog die Familie nach Leipzig, wo Hugo Steiner-Prag Lehrer an der Königlichen Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe wurde. Die Familie wohnte in Gohlis, Weinligstr. 11. Am 10. Mai 1908 kam ihre Tochter Helga Hanna Paula zur Welt. 1909 zogen sie in die Bosestraße, 1914 in die Delitzscher Str. 29 in Eutritzsch. Seit 1910 hatte Hugo Steiner-Prag einen Lehrstuhl bzw. eine Professur inne.

In Leipzig fand 1914 eine besondere Weltausstellung statt – welche von vielen Frauen lange erwartet wurde: Die Frauen-Bugra. Auf der Weltausstellung für Buchgewerbe und Graphik vom 6. Mai bis 18. Oktober 1914 gab es erstmals ein eigenes Haus der Frau. Viele engagierte Frauen aus Leipzig und ganz Deutschland hatten sich an der Vorbereitung beteiligt. Katharina Kippenberg, Claire Kirstein oder Elisabeth Wolff-Merck waren im Vorstand – und an der Einrichtung und Ausführung der Frauen-Bugra beteiligt. Paula Steiner-Prag stellte auf der Frauen-Bugra künstlerisch gestaltete Bucheinbände aus – und hatte die gesamte Raumgestaltung der Abteilung V, Bibliothekswesen | Büchereien und Sammelwesen, inne. Durch den Beginn des Ersten Weltkrieges endete die Weltschau viel zu früh. Die Frauen-Bugra blieb einmalig. Von Paula Steiner-Prags künstlerischer Betätigung gibt es leider keine weiteren Zeugnisse.

Mit dem Beginn der NS-Zeit 1933 wurde Hugo Steiner-Prag aus seinem Amt an der Hochschule für Graphik und Buchkunst entlassen, emigrierte mit einer viel jüngeren Frau nach Prag, später weiter … bis nach Amerika. 1941 reichte er die Scheidung ein.

Wahrscheinlich wanderte Paula Steiner-Prag 1933 mit ihrem Sohn nach Schweden aus, ihre Tochter Helga nach Palästina. Von Paula Steiner-Prags weiterem Leben in Schweden ist wenig bekannt. Es wurden keinerlei Materialien oder Fotografien von ihr archiviert/aufbewahrt. Im Jahr 1964 starb Paula Steiner-Prag in Stockholm und wurde auf dem Friedhof Skogskyrkogården in Enskede/Stockholm begraben.