
Friedel Stern
16.01.1917 | Leipzig – 29.10.2006 | Tel Aviv, Israel
Grafikerin, Karikaturistin
Friedel Stern, älteste Tochter von vier Kindern des jüdischen Ehepaars Feiwel und Luise Stern, geborene Rosenfeld. Ihre Eltern betrieben gemeinsam einen Textilwarenhandel mit mehreren Filialen; wohnten in der Frankfurter Straße, der heutigen Jahnallee 5. Bedingt durch die Weltwirtschaftskrise mussten ihre Eltern Konkurs anmelden; wenig später kam ihr Vater 1930 bei einem Unfall ums Leben. Die Mutter führte das letzte verbliebene Textilwarengeschäft allein weiter. 1933 kamen die Nazis an die Macht – und ihre Mutter Luise Stern versuchte alles, ihre Kinder außer Landes zu bringen.
Noch 1934/1935 studierte Friedel Stern an der Leipziger Kunstgewerbeschule, die 1931 aus der Städtischen Gewerbeschule Leipzig ausgegliedert worden war. Ihre Mutter organisierte, das Friedel Stern 1935 zionistische Landwirtschaftskurse in Westfalen besuchen konnte – da dieses mit der Möglichkeit verbunden war, in das britische Völkerbundsmandat für Palästina einwandern zu können. 1936 gelang es Friedel auszuwandern. Auch ihre drei Geschwister konnten Deutschland verlassen. Luise Stern, die alles für die Rettung ihrer Kinder getan hatte, musste in Leipzig bleiben, ab 1940 in einem der „Judenhäuser“ wohnen. Sie starb mit 58 Jahren in einem Lager in Riga oder schon während der Deportation dorthin.
Friedel Stern studierte 1936 – 1940 Grafik an der Jerusalemer Kunsthochschule, der Bezalel-Akademie. Bekannt wurde sie mit Zeichnungen für die Presse. „Friedel Stern wurde zum Mythos“, heißt es in Israel. Sie gilt als Pionierin unter den Karikaturist/-innen. Zahlreiche israelische Zeitungen und Zeitschriften veröffentlichten ihre Arbeiten. „Ich habe mich niemals bewusst dafür entschieden, Humor zu benutzen – es hat sich einfach so entwickelt … und wenn es Menschen ein Lächeln entlockt hat, so auch mir.“ (Friedel Stern)
2005 war sie eingeladen worden zur „Karicartoon“ in Leipzig, dem internationalen Treff der Karikatur-Szene. Ihrer Kunst wurde im Stadtgeschichtlichen Museum eine Sonderschau gewidmet – Friedel Stern mit dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt geehrt. Auf die Frage, ob Leipzig ihr gutgetan habe, antwortete sie:
„Sehr gut … ich hasste meine Geburtsstadt. … Ich konnte vorher nicht über meine Mutter reden, ich bekam immer Weinkrämpfe. Ich vergesse und vergebe eigentlich nicht. Heute leben hier aber ganz andere Menschen als vor 70 Jahren. Das will ich sehr gern akzeptieren. …“