Zu den Hintergründen des Ausstellungsprojektes
Jüdisch, kunst(er)schaffend, inspirierend …
Menschlich-Sein im Heute braucht Wissen um Vergangenes.
Lebensgeschichten jüdischer Künstlerinnen – die einst Nachbarinnen in Leipzig waren – werden Jahrzehnte, Jahrhunderte später lebendig und gegenwärtig. Dieses Vorhaben bzw. dessen künstlerische Umsetzung durch dieses Ausstellungsprojekt fundiert auf einer umfangreichen Forschungsarbeit und Archivsammlung von ELISABETH GUHR. Die Leipzigerin erforscht/e eigenständig seit Jahrzehnten bis ins Heute zivilgesellschaftlich engagiert „Lebenszweige jüdischer Frauen“ mit Verbindungen zu Leipzig und Gohlis.
Um diese gerade heute so wertvollen dokumentarischen Materialien über jüdische Lebensmomente in Leipzig/Sachsen öffentlich sichtbarer zu machen – entwickelte das Team der Frauenkultur Leipzig gemeinsam mit Elisabeth Guhr und der bildenden Künstlerin JELENA RADOSAVLJEVIC dieses Ausstellungsprojekt.
Über ein besonderes Ausstellungsformat wurden ausgehend von o. g. biografischen Texten und Forschungsarbeiten 18 Porträt-Tafeln zu 20 jüdischen Künstlerinnen mit Lebenszeiten in Leipzig erarbeitet. Die zum Teil sehr alten, geringaufgelösten Fotografien, deren Urheber/-innenrechte nicht bekannt sind – wurden von JELENA RADOSAVLJEVIC künstlerisch nachempfunden – im Kontext der jeweiligen biografischen Einblicke bzw. des jeweiligen sozial-gesellschaftlichen Umfeldes. Ebenso von einzelnen Künstlerinnen, zu denen gar keine Abbildungen existieren. Diese kreativ künstlerischen Ausstellungstafeln vermitteln über Kunst, über Malerei und über biografische Stationen gesellschaftliche wie individuelle Momente Jüdischen Lebens – die so öffentlich gegenwärtig sein können.
Und da unsere Gegenwart im Jahr 2026 zunehmend durch öffentliche Polaritäten, Instrumentalisierungen, Deutungshoheiten und Machtansprüche, Ab- und Ausgrenzungen … bestimmt wird – müssen wir uns unabänderlich mit den Folgen auseinandersetzen: Notwendige Perspektivwechsel finden immer weniger wirklich statt – und damit auch im eigenen & gesellschaftlichen Umfeld weniger friedens- & lebenserhaltende Differenzierungen in Konflikten. Konfrontative Spaltungen in allen Lebensbereichen verfestigen sich – und gefährden das anzustrebende Miteinander aller Menschen ohne Hass & Gewalt. Für zivilgesellschaftliches Gegenreagieren ist u.a. unerlässlich: Kausales Wissen um Vergangenes – um die Gegenwart verstehen zu können.
Die Karikaturistin Friedel Stern war 2005 zur „Karicartoon“ in Leipzig, dem internationalen Treff der Karikatur-Szene eingeladen worden. Friedel Stern konnte 1936 aus Leipzig emigrieren – ihre Mutter nicht, sie wurde 1940 von den damals herrschenden faschistischen Nationalsozialisten ermordet. Auf die Frage, ob Leipzig ihr gutgetan habe, antwortete Friedel Stern:
„… sehr gut … ich hasste meine Geburtsstadt. … Ich konnte vorher nicht über meine Mutter reden, ich bekam immer Weinkrämpfe. Ich vergesse und vergebe eigentlich nicht. Heute leben hier aber ganz andere Menschen als vor 70 Jahren. Das will ich sehr gern akzeptieren. …“
Dieser Kontext spiegelt sich u.a. auch in dem Ausstellungsprojekt der Frauenkultur Leipzig „Jüdisch, kunst(er)schaffend, inspirierend …“. Und um die zutiefst menschenverachtenden Gräueltaten im Zweiten Weltkrieg sollten/müssen alle Menschen wissen.
In unserem Grundgesetz wurde im Jahr 1949 folgend verankert: „Die Würde des Menschen ist unantastbar!“. Die o.g. Entwicklungen im Heute bedingen die zwingend notwendige und Zukunft sichernde Konkretisierung „Nie wieder. Nie wieder ist Jetzt!“